Dieser Eintrag soll sich vorallem mit der Kritik zum Thema dissoziative Strukturen, multipel sein, Erinnerungen und Selbsthilfeforen sowie induzierte Erinnerungen ausseinandersetzen.
Mir ist bewusst, dass dies ein hochemotionales Thema ist, trotzdem denke ich, dass es wichtig ist darüber zu sprechen.

Mögliche Gefahren durch Selbsthilfeforen

Selbsthilfeforen können Unterstützung, Zusammenhalt und neue Ideen zur Problemlösung bringen. Nicht selten entstehen daraus soziale und intensive Beziehungen (auch im realen Leben!).
Negative Gruppendynamiken können einen Menschen in Problemfelder stürzen, die zuvor nicht bedacht werden: Zum Beispiel kann eine Kultur des nicht Aussprechens und der Zensur bestehen. In vielen Selbsthilfeforen bestehen ganz eigene Regeln, ob man und wie über was in welchem Ausmaß gesprochen werden darf oder was alles mit Triggerwarnungen und Spoilern (zum Verstecken eines Textes) versehen werden muss. Das kann den natürlichen Unterstützungsprozess der durch das Aussprechen lernen stark einschränken oder behindern.

Das eigene Erleben kann in Selbsthilfeforen abgesprochen werden, da nicht geglaubt wird oder der Umgang für nicht konform innerhalb der Gruppe erlebt wird. Dies fördert wiederrum das Schweigen und Schweigen ist genau das was meiner Meinung nach in Foren möglichst vermieden werden sollte. Besser ist es einen passenden Rahmen für hochemotionale Themen zu geben.

Auch sind viele Foren nur augenscheinlich moderiert, das bedeutet, dass nicht auf den Umgang mit anderen Mitglieder geachtet wird / werden kann oder das Selbsthilfeforum zu einem Friedhof unbeantworteter Themen wird und letztlich die Kommunikation mit Betroffenen fehlt. Ein gutes Forum macht eine gerechte und aktive Moderation aus.

Gerade bei Foren zum Thema dissoziative Identitätsstörung & Unterformen können destruktive Dynamiken entstehen, die die Individualität des einzelnen multiplen Menschen ausser Acht lässt oder die Abgetrenntheit des Systems stark fördert. Auch Leidensvergleiche wie "Ich habe xyz Personen du nur xy! Mir gehts viel schlechter!" oder "Ich habe viel schlimmere Traumatisierungen erlebt wie du" sind aufzufinden, wenn die Moderation sich nicht kümmert / kümmern kann.

Auch wenn fast alle Selbsthilfeforen oder Social Media Gruppen kostenlos angeboten werden, sollte genau nachgesehen werden welches Klima auf der Austauschplattform besteht.
Wichtige Fragen können sein:
Wie sicher ist das Forum aus technischer Sicht?
Dürfen Gäste alle Themen des Forums öffentlich lesen?
Wird das Forum moderiert / sind Administratoren oder Moderatoren aktiv am Forenleben beteiligt? Was möchte ich in einem Selbsthilfeforum erreichen?
Wie wird mit meinen Daten umgegangen?
Ist das Moderieren (Forenregeln) transparent und für alle verständlich / gültig?
Wie "gerecht" wird im Forum mit Problemsituationen umgegangen?

Die Gefahr: Selbstdiagnose

Es gibt unzähliche Persönlichkeits-Tests oder Fragebögen mit Auswertungen zum Thema Dissoziation / DIS und Co. Manche validiert, andere ohne irgendeine wissenschaftliche Bedeutung, können solche Tests einen Ansatz an Unterstützung bei spezifischen Diagnosen geben. Allerdings in so geringem Maße, dass die Bedeutung solcher Test-Ergebnisse nur ein Anreiz sein kann sich von ausgebildeten Fachkräften diesbezüglich zu orientieren.
Angenommen ein Mensch informiert sich gerade zum Thema Dissoziation, kommt auf dubiose Testseiten und am Ende kommt raus, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass eine dissoziative Störung besteht. Das kann erstmal Angst und Sorgen machen, aber auch das zukünftige Verhalten stark beeinflußen, was letztlich die Therapie behindern kann.

-> Diagnosen können NUR und AUSSCHLIESSLICH von geschultem Fachpersonal gestellt werden.

Hat man eine Vermutung kann man diese natürlich bei der Diagnostik mit antragen und vielleicht hat man selbst ins "schwarze" getroffen und eine weitere Therapieform aufgrund des Tips ist gezielter und schneller möglich.
Das Problem bei derartigen Selbstdiagnosen ist, dass durch die mangelnde Ausbildung (selbst wenn man eine derartige Ausbildung genossen hat) und die subjektive Wahrnehmung, Symptombilder auf eine Diagnose fokussiert sind.

Ein fachkundiger Diagnostiker hat die Symptome im Blick und kann sie durch Erfahrung und Ausbildung auch in anderen Störungsbildern wieder erkennen.
Was passiert ggf. bei einer Selbstdiagnose: Die Therapiezeit kann sich verlängern, bis Besserung eintritt, da Symptome generiert werden, die nicht vorhanden sind und die korrekte Diagnose verschleppen.

Falschdiagnosen und induzierte Erinnerungen
(folgt noch)

Fakes in Foren und die daraus resultierenden Probleme
Nicht selten gibt es Menschen die aus [Gründen] erzählen, dass sie eine dissoziative Identitätsstörung haben, obwohl dies nicht vorliegt.

DIS ist für viele Menschen ein Mysterium, ein Mythos oder etwas "Magisches". Der Überlebensmechanismus wird in Medien und auch bei Profis / Erfahrenen oftmals extrem einseitig dargestellt.
Menschen die vorgeben diese Störung zu haben, wissen meistens nicht viel über die tatsächlichen Hintergründe und was für einen riesigen Impact dies auf das Alltagsleben seit der Kindheit beinhaltet. Es wird vergessen oder überlesen, dass dieser unmenschliche Kraftakt der wiederkehrenden schweren dissoziativen Zustände, aller Symptome der DIS und die Einschränkungen im Alltag, alles andere als ein lustiges Rollenspiel ist, bei dem jede "Persönlichkeit" die Verantwortung für irgendetwas nimmt und man willkürlich neue "Persönlichkeiten" bestimmen und erschaffen kann.

In den meisten Fällen können Fakes relativ schnell entdeckt werden, trotzdem ist der Impact auf die Betroffenen größer, als dass es nur ein "lustiger Spaß" war, denn die Aussenwirkung von Betroffenen mit diagnostizierter DIS leidet unter den Fakes, da die Diagnose selbst bis heute immer wieder ungläubig von Fachpersonal beiseite gelegt wird.

Die Frage nach dem "Warum tut man dies?" ist berechtigt, kann aber nicht allgemein beantwortet werden. Klar ist, dass der Mensch, der sich eine dissoziative Identitätsstörung ausgedacht hat oder die eigenen Symptome falsch zuordnet (hier wieder das Thema Selbstdiagnose) eine destruktive Handlunsgweise hat, die ihm selbst vielleicht noch nicht mal wirklich bewusst ist. Auf Dauer ist es für einen Menschen sehr belastend sich im Lügenkonstrukt noch zurecht zu finden, das kostet Kraft und Zeit und hilft weder dem "Faker" noch den Betroffenen.