Top 5 "Was hilft mir um mich nicht umzubringen"

Vielleicht hilft es dem ein oder anderen zu sehen, wie andere Betroffene von dissoziativen Strukturen mit Suizid-Drang umgehen. Ich habe in diesem Thread meine Forenmitglieder dazu befragt.

  1. Ich nehme Bedarfs-Medikamente und lasse mich zumindest für die nächste Zeit medikamentös einstellen
  2. Ich hole mir eine Krankschreibung, ggf. eine Einweisung in eine Klinik
  3. Ich versuche (allein und/oder mit Hilfe von anderen) rauszufinden, was so schlimm ist. Warum will ich nicht mehr leben? Was ist konkret so schlimm geworden? Ich will nicht mehr leben, ist bei mir immer ein: "Ich will SO nicht mehr leben." Also ist immer irgendwas ganz unerträglich schlimm, was genau ist das? Wie könnte man es ändern? Welche Möglichkeiten fallen einem ein? Welche davon wurden bereits versucht? Welche lehnt man ab (und warum)? Welche haben minimal oder nur in Ausnahmesituationen geholfen (=waren noch unzureichend, aber immerhin hilfreich)?
  4. Möglichst nicht allein sein mit dieser Hilflosigkeit. Gespräche mit möglichst vielen anderen Menschen suchen, wie man die Situation bewältigen könnte. Das macht viele Blickwinkel, vielleicht weiß ja doch jemand anderer noch einen Weg. (Freunde, Foren, Beratungsstellen, Thera, Psychiater)
  5. Ich löse mich von festgefahrenen Denkmustern und Verhalten. Meist ist irgendwas aussichtslos, weil ich andere Möglichkeiten etwas zu sehen oder zu handeln ablehne.
    Beispiel: Ich bin unglücklich in einer Partnerschaft, will mich aber nicht trennen aus Angst vor Einsamkeit. In der Partnerschaft fühle ich mich einsam und unglücklich, aber allein wäre es ja bestimmt noch schwieriger, also doch da bleiben. Aber da geht es auch nicht, also lieber sterben. Die Möglichkeit sich zu trennen und erst mal allein zu leben wird irgendwie ausgeblendet.
    Manchmal fehlt Abstand und ein anderer Blickwinkel, damit man neue Möglichkeiten erkennt und sie auch wagt zu gehen
  1. Es wird innen verhandelt, was nicht sein darf und ob es Alternativen gibt, Helfer werden losgeschickt.
  2. Es wird versucht, nach der Devise zu überstehen: Das geht wieder vorbei, Du musst da nur durch, Du hast schon Schlimmeres geschafft.
  3. Es wird jemandem erzählt, zu dem Vertrauen da ist.
  4. Der Therapeutin darf auf den AB gelabert werden und die ruft dann zurück. Funktioniert auch, ohne dass der Name gesagt wird, denn sie erkennt uns immer.
  5. Die Verantwortung wird abgegeben = Psychiatrie zum Sortieren und "Nicht mehr im Alltag funktionieren müssen.
  1. In Kontakt gehen und zumindest "mir geht’s nicht gut" signalisieren, bloß nicht allein bleiben, auch wenn mir danach ist. Wenn ich allein bleibe, dann werden die Gedanken immer konkreter.
  2. schreiben schreiben schreiben, alles was an Gedanken und so da ist, wird aufgeschrieben, manchmal an den Thera geschickt, wenn wir es schaffen (oft macht’s wer anderes als ich, das ist so abgesprochen), das hilft zu ordnen
  3. Notfallmedis, um einfach mal eine Zeit zu schlafen und die Gedanken auszuschalten
  4. mir eine Auszeit "erlauben" - klingt banal, aber daran scheiterst meist
  5. wenn die ganz akute Zeit vorbei ist: Analysieren, was die Auslöser waren und an welchen Schrauben ich drehen kann.

 

  1. uns selber fragen ob wir wirklich nicht mehr leben wollen oder ob wir so nicht mehr leben wollen.
  2. Klar stellen ob wir es traurig fänden tot zu sein. Wir stellen uns unser Tod dann in aller ausführlichkeit vor. Meistens werden wir dann traurig weil wir nichts mehr mitkriegen von unserer Umwelt. Also haben wir eigentlich sogar noch Interesse.
  3. Uns vorstellen wir wären jemand anderes. Was wir uns sagen: finden wir dann unser Leben sinnlos? was finden wir an unserem leben sinnvoll oder auch schön.
  4. Herausbekommen was es genau ist was wir in unserem Leben sinnlos, unaushalbar finden, nicht mehr wollen. Können wir was daran ändern im aussen oder im Innen. Was für Ideen fallen uns noch ein.
  5. Uns zu töten ist eine Entscheidung die nur wir alle treffen können. Solange auch nur eine was dagegen hat, wird miteiander geredet und zugehört und diskutiert.

 

  1. Wir rufen uns ins Gedächtnis, dass wir trotz ausführlicher Recherchen keine für uns akzeptable Methode gefunden haben, die uns sicher und möglichst schmerzfrei ins Jenseits befördert.
  2. Wir machen uns klar, dass wir mit eine Kurzschlusshandlung unser Ziel tot zu sein mit ausgesprochen hoher Wahrscheinlichkeit nicht erreichen werden, sondern vermutlich überleben und womöglich dauerhafte Körperschäden davontragen, die wir keinesfalls wollen.
  3. Wir machen uns klar, dass Kurzschlusshandlungen vermutlich nur dazu führen würden, dass wir uns körperlich absolut elend fühlen oder jämmlich verrecken würden und dann irgendwann Panik kriegen würden und doch versuchen würden Hilfe zu bekommen - wenn es denn noch geht. Damit würden wir uns dann aber irgendwelchen Ärzten ausliefern, die erstmal komplett über den Körper bestimmen können/müssen, um uns zu retten (die würden uns ja schließlich nix geben, damit wir schneller verrecken). Fremdbestimmung über uns geht aber mal gar nicht! Mal ganz davon ab, dass wir keinen Bock auf die garantiert folgende Psychiatrieeinweisung hätten.
  4. Wir fragen uns, wem wir mit unserem Suizid Leid zufügen würden. Die Liste ist nicht sonderlich lang, aber wir wissen, dass es unsere beste Freundin vermutlich in eine ziemliche Krise stürzen würde - das wollen wir nicht
  5. Wir überlegen, wer von unserem Tod profitieren würde, wem wir damit womöglich einen Gefallen tun würden. Kommen dadurch oft in so eine Trotz-Reaktion rein von wegen "Die Genugtuung gönn ich ihm nicht!" etc