Menschen mit der Diagnose dissoziative Identitätsstörung & ihre (Außen-)Kinder

 

Es gibt Momente im Leben, da weiß man als Elternteil einfach schlicht und ergreifend nicht mehr weiter, wenn man zusätzlich zu der großen lebensfüllenden Aufgabe "Kinder" noch die Diagnose DIS, bzw. DSNNS hat.
Immer wieder stellt man sich viele Fragen, und ich möchte hier versuchen auf die aktuellsten einzugehen.

Zuerst möchte ich zwei Begriffe klären, damit keine Verwirrung entsteht:


Innenkinder: Damit ist gemeint, Anteile / Persönlichkeiten die innerhalb des Systems existieren. Sie können genauso "geboren" werden wie im Außenleben eines nicht-multiplen Menschen, jedoch mit dem Unterschied, dass es im System entsteht.
Ich meine mit Innenkinder nicht das „Innere Kind“ im Bezug zu einer modellhaften Betrachtungsweise innerer Erlebniswelten (siehe Wikipedia), sondern tatsächlich abgespaltene Teile des Selbst.
Außenkinder: Hier spreche ich von "real außen" geborene Kinder, wie sie auch ein nicht-multipler Mensch kennt

Ich setze bewusst einiges in Anführungszeichen, wobei ich dem nicht weniger Gewicht gebe, sondern daran erinnern möchte, dass es mehrere Verständnis-Gedanken dazu gibt.

Zu Beginn ist es schon schwierig genug sich um die inneren Kinder zu kümmern, die inneren Teile / Persönlichkeiten oder wie auch immer man seine "Mitbewohner" nennen möchte, Halt, Sicherheit und Unterstützung zu bieten.
Besonders tragisch wird der innere wie äußere Konflikt, wenn die Außenkinder (damit meine ich im Folgenden die "realen" Kinder) durch eine Täter(-Struktur) entstanden sind (somit die Zeugung nicht freiwillig gewesen ist).

Fragen & Vorschläge / Anreize mit einem Problem umzugehen:

Können Innenkinder genauso Lernen wie Außenkinder?

Antwort: Ja und nein. Es kommt immer darauf an, wodurch die Innenkinder entstanden sind, ob sie innerlich im Koma (***Komakinder***) liegen oder nicht die Möglichkeit haben dazuzulernen.
In vielen Fällen ist es jedoch so, dass Innenkinder wie Außenkinder lernen können zu schreiben, zu kommunizieren oder generell "mitwachsen". Die Geschwindigkeit und Fähigkeiten hängen jedoch von jedem System an sich ab.

Sollte ich meinem Kind erzählen, dass ich die Diagnose DIS habe / multipel bin?
Es kommt darauf an wie alt das Kind ist, je nachdem wie alt das Außenkind ist sollte man auf folgendes achten:

- Fragen zu Symptomen ehrlich aber Kind-&altersgerecht beantworten
- Es sollten keine Traumata Erfahrungen in Erklärungen einbezogen werden
- Achtet darauf, was das Kind gefragt hat und beantwortet die Frage, jedoch aufpassen nicht zu weit auszuschweifen (das könnte das Kind überfordern)
- Symptome sollten je nach Alter umschrieben werden, weshalb es Sie gibt oder warum "Mama das tut"
- Denkt daran, dass das Kind so was auch den Schulkameraden und Lehrern erzählen kann (und auch darf!!), wählt eine Ausdrucksweise die ihm hilft und nicht schadet

Wie erkläre ich folgende Symptome der DIS:

• Selbstverletzendes Verhalten, welches sichtbar ist (Schnitte, ständige Wunden, blaue Flecken, wiederkehrende Verletzungen)
Antwort: Wieder je nach Alter ehrlich, aber nicht zu detailliert erklären, Möglichkeiten wären:
"Mama/Papa geht’s manchmal nicht so gut und ist etwas tollpatschig"
"Mama/Papa fühlt sich manchmal nicht so gut und dann passiert so was, aber das ist in Ordnung und ich achte auch mich, mach dir keine Sorgen"
"Mama/Papa hat manchmal so viele Sachen im Kopf dass es raus muss und dann kann so was passieren"
etc. natürlich klingt das mehr nach Ausreden, aber es ist näher an der Wahrheit als zu sagen, dass man sich aus Versehen 5 Mal beim Karotten schneiden verletzt hat.

• Amnesien / Blackouts (wenn "Zeit" fehlt, man nicht mehr weiß, was man gerade getan hat, da whrl. ein Switch vorrausging)
Antwort: Bleibt bei der Wahrheit und versucht dem Kind zu erklären, dass Mama/Papa manchmal nicht mehr weiß, was passiert ist und dass es schön wäre, wenn das Kind das auch sagt, wenn es ihm so vorkommt.
Versucht immer das Kind aktiv mit einzubeziehen, aber nicht zu überfordern. Die Balance ist schwierig, jedoch helfen Lügen auch hier nicht weiter.

• Innenkinder mit Außenkindern spielen oder spielen wollen
Antwort: Erklärt dem Kind, dass "ich einfach so bin" und, dass man eben manchmal gerne mit dem Kind spielt und dabei ganz viel Freude hat.

• "Mama / Papa manchmal ganz anders heißt"
Antwort: Jeder Mensch hat viele Facetten, daher gibt es bei euch auch viele Namen, da ihr eben noch mehr Facetten habt und jene sogar einen echten Namen tragen, das aber nicht bedeutet, dass man weniger "Eltern" ist. (dieser Punkt wird noch erweitert)

• Aggressive Innenpersönlichkeiten den Kindern schaden wollen
Antwort: Es sollte immer der Schutz der eigenen Kinder im Vordergrund stehen, somit suchte uch unbedingt Hilfe, falls es zu Vorfällen kommt! Aber aggressive Teile müßen nicht unbedingt körperlich schaden, sondern können auch verbal stark verletzen. Ich denke hier muß man ganz individuell versuchen die Situationi aufzulösen, wichtig ist dafür, dass eine maximale Selbstreflexion (insbesondere mit der Situation) vorrausgeht: Also warum ist das passiert, welche Gründe hatte der Anteil etc.
Lasst euch bei diesem Punkt unbedingt professionell beraten!

• Depersonalisiert / Derealisiert wird
  Antwort: Manchmal träumt man sich weg, Tagträume oder wie wenn man aus dem Fenster starrt und den Vögeln gedankenverloren zusieht. Dies kann auch einem selbst passieren, wenn man wie in einem Traum gerade ist. Das ist nicht immer angenehm und manchmal spürt man sich selbsta uch nicht mehr. Versucht sowas anhand von Tagträumen zu beschreiben, das kann als gutes Beispiel helfen! Es muß nicht jedes Detail erzählt werden, hier ist weniger mehr und je einfacher die Worte sind, desto besser wird sowas verstanden!

 

Linehme