Dieser Begriff klingt erstmal ziemlich verwirrend und weckt viele Fragezeichen über dem Kopf auf.
Wenn man den Begriff allerdings Schritt für Schritt entwirrt ist es nicht mehr so kompliziert:
Poly = Vom Griechischen "Viele", Fragmentiert = Quasi die Abspaltungen / Teilungen / Anteile / Ich-Splitter

Der Grad der Fragmentierung eines Menschen beschreibt am besten die Polyfragmentierung die bei einer dissoziativen Identitätsstörung vorkommen kann:

Nach Ross (1989, S.80) und Braun (1988) wird die dissoziative Identitätsstörung in drei verschiedene Bereiche aufgeteilt:
• Zweifache Persönlichkeitsanteile mit weniger als 5 alternierenden Identitäten
• Komplexe dissoziative Identitätsstörung mit weniger als 20 alternierenden Identitäten
• Polyfragmentierte dissoziative Identitätsstörung ab 20 alternierenden Identitäten

Durch persönliche Erfahrung sehe ich diese Aufteilung etwas anders, denn wenn man die Mischformen miteinbezieht (und in dieser können durchaus über 20 alternierende Anteile existieren und trotzdem nicht polyfragmentiert sein im Sinne des höchsten Grades der Aufspaltung) gehe ich eher von folgender Trennung aus:

• Zweifache Persönlichkeitsanteile mit weniger als 5 alternierenden Identitäten
• Komplexe dissoziative Identitätsstörung mit weniger als 99 alternierenden Identitäten
• Polyfragmentierte dissoziative Identitätsstörung ab 100 alternierenden Identitäten

Persönlich habe ich noch kein System kennengelernt welches "nur" aus zwei Persönlichkeiten besteht. Die Erfahrung hat gezeigt, dass die meisten Systeme aus 10-20 Anteilen (mehr oder weniger stark ausgeprägt) bestehen.

Polyfragmentierte Systeme habe ich bis jetzt nur mit dem Hintergrund destruktiver Kulte kennengelernt, indem meist Systeme nebeinander bestehen und immer Programmierungen eine große Rolle spielten. Dies überrascht auch nicht, denn die Suggestibilitätswerte müßen extrem hoch sein (hoch "gemacht" worden sein von Tätern) um auch die Möglichkeit des "Hidden Observer-Phänomens" zu erleben. Oftmals werden Informationen über die Aufspaltung, die Programmierung und absichtliche "Multiplizität" in sogenannten Clustern voneinander sicher abgetrennt um die Wahrnehmung, dass die Spaltung/Programmierung etc. als deutlich abgrenzbares Ich (die höhere Macht in mir) erlebt wird.

Letztlich muß man bei der Polyfragmentierung von einer pathologischen Dissoziation ausgehen.

 

©Linehme