Manchmal ist es gar nicht so einfach herauszufinden, ob denn nun eine Dissoziation besteht oder wie man das verstehen soll.

Betroffene fragen sich, ob der Zustand der wahrgenommen wird, bereits unter das Schlagwort Dissoziation zusammenzufassen ist.
Da dies einerseits nur durch einen dafür ausgebildeten Arzt gut abgeklärt werden kann, andererseits es bei jedem sehr unterschiedlich wahrgenommen werden kann, habe ich eine Umfrage im geschlossenen Forum gestartet:

Wann fängt bei dir eine Dissoziation an und wie äußert sich dies?


bei mir gibt es in dem Sinne keinen Vorlauf.

Ich nehme aber z.B. manchmal war, dass die Dissoziation sich bereits "hinten"- also in mir, aber nicht im vorderen Bereich, sondern im hinteren Bereich
bereits vollzogen hat. Das heißt ich bin dann doppelt da- einmal das Jetzt-Ich vorne und dann das dissoziierte-Ich hinten. In diesem Fall ist es leichter evtl. die vollkommene Dissoziation noch abzuwenden- also das das dissoziierte -Ich nicht nach vorne geht und die Situation übernimmt. Ich kann dann noch versuchen in Kontakt mit dem dis-Ich zu gehen...


Ich merke es meistens daran das mir schwindelig wird
Kopfschmerzen bekomme
verschwommen sehe


bei uns ist Dissoziation eher Dauerzustand, ab und zu tauchen wir auf und bekommen etwas mit, dann zebröselt es wieder. Festhaltbar ist der Zustand das wir bei uns sind noch nie gewesen. Es braucht auch nicht viel Auslöser von außen um zu dissozieren, bei uns bleiben gelingt eher in sehr ruhiger reizarmer Umgebung. Der Alltag haut uns immer wieder raus. Von Behandlern/innen wurde oft gesagt, dass wir nicht behandelbar sind wenn wir weiter so viel in dissoziativen Zuständen unterwegs sind.


Ich kann auch nicht viel damit anfangen, wann Dissoziation anfängt. Die Frage wäre: Welche Innenperson ist denn der nichtdissoziierte Zustand? Mein Alltagsteam besteht aus 3 zentralen Innenpersonen. So ganz klischeehaft habe ich da zum Beispiel ernsthaft dieses Bekleidungsproblem, dass alle 3 Alltagspersonen sehr sehr unterschiedlich gut finden, was ich anziehe. Jede der 3 Innenpersonen sieht sich als das einzige Ich - obwohl alle von den anderen wissen.
Mir wurde immer gesagt, ich sei nicht stabilisierbar.
Ich kann oft nicht sagen, wann ich wechsle zwischen den Personen des Alltagsteams, ich merke, wenn ich in Jüngere gewechselt bin, weil ich dann plötzlich so anders spreche. Außenpersonen fällt das oft gar nicht auf - nur denen, die mich gut kennen.
Um eine Innenperson wirklich zu halten brauche ich total reizarme, ruhige Umgebung - Wald ist gut. Und ich brauche die Gewissheit, dass nur Menschen um mich herum sind, die ich sehr gut kenne und bei denen ich weiß, dass keine Gefahr ausgeht.
Um eine jüngere Innenperson zu halten brauche ich Körperkontakt zu einer Bindungsperson, die wirklich im Sinne einer (Eltern-Kind-Bindung) extrem emotional und körperlich dicht ist und mich beschützt.
Ich merke, dass Dissoziation weniger wird, wenn ich Innenpersonen (z.B. das Alltagsteam) mal über ein paar Wochen oder Monate länger halten kann ohne in die Kleinen zu switchen - Problem ist: Das tut dem Gesamtsystem irgendwie nicht gut. Das geht immer nach hinten los. Nicht sofort aber früher oder später.


Und mein Alltagssystem besteht auch aus 3 Anteilen.
Jeder für sich zuständig für bestimmte Bereiche, um den Alltag zu organisieren, wobei sie nicht voneinander wissen,oder wissen wollen , und jeder sich für den einzig Wahren hält.
Die Übergänge sind fließend, je nach Aufgabe oder Anforderung.
Je unruhiger mein Umfeld, um so schneller passieren Wechsel.
Es kann mir auch passieren,wenn ich z.B.kurz vor einer Panikattacke bin, dass ich eine Art Sog - Geräusch wahrnehme, und dann raus bin.


der komplette Wechsel in einen anderen Anteil findet bei mir fast nur noch in der Therapie oder in belastenden Situation bei ärtzlichen Behandlungen statt. Es fängt damit an, dass mein Körper und mein Blick starr werden. Meine Augen gehen oft nach links unten. Meine Atmung wird flach und schnell. Im Sessel oder Stuhl weiche ich etwas nacht hinten zurück. Dann habe ich das Gefühl dass es mich innerlich schüttelt. Manchmal sieht man auch außen etwas. Wenn ein verletzter, kindlicher Anteil übernimmt, weiche ich noch mehr zurück, ziehe mich zusammen und kann nicht mehr reden. Wenn ein aktiver, wütender zerstörerischer Anteil kommt, springe ich meistens auf und laufe planlos los, bis ich auf ein Hindernis treffe. ich bin auch schon aus Räumen oder der Praxis hinausgelaufen.
Dieser ganze Ablauf kann 10 Minuten oder 10 Sekunden dauern. Das ist unterschiedlich.


ganz ehrlich? Ich bemerke Dissoziationen erst, wenn sie da sind oder vorbei sind (realisiere hinterher, das das eben eine Dissoziation war). Und oft auch erst dann, wenn jemand im Außen Rückmeldung gibt. Begleitet werden die Dissoziationen oft von Angst oder einem diffusen Gefühl von Unwohlsein und "irgendwas stimmt hier grade nicht..."
Ist immer ganz unterschiedlich, je nachdem, wie stark die Dissoziation ist und in welcher Form...
Manchmal merke ich, das ein Wechsel bevorsteht, dann sackt meine Energie irgendwie ab, ich kriege das Gefühl, gleich das Bewusstsein zu verlieren. Oft ist das auch begleitet von Schwindel. Hinterher Kopfschmerzen und eine Art Benommenheit.
Ein Frühwarnsystem wäre nicht schlecht.

 

Ich bedanke mich sehr bei allen Mitgliedern, die mir ihre Erlebnisse zur Verfügung gestellt haben. Vielleicht hilft es dem ein oder anderen, das zuzuordnen, was man selbst erlebt.
Dissoziationen und Wechsel bei multiplen Menschen gehen miteinander Hand in Hand.

 

Liebe Grüße,
Linehme