Das Thema Normalität ist eines der wichtigsten Themen für Menschen, die sich selbst oder ihre Umwelt "unnormal, falsch, seltsam, verschoben komisch etc." wahrnehmen.
Immer wieder kommen Fragen zum Thema "Was ist Normalität und was nicht?" auf, daher bemühe ich mich um ein paar Ideen als Antworten.
Bitte beachten, dass man das Thema nicht pauschalisieren kann, aber ein paar Richtlinien sind manchmal hilfreich.

Normales Vergessen oder dissoziative Amnesie?

Diese Frage stellen sich sehr viele Betroffene von dissoziativen Strukturen.
Sobald man auf das Thema Dissoziation als Betroffener gekommen ist, beginnt man teils zu bewerten und genauer hinzusehen.
"War das jetzt normal, dass ich vergessen habe was ich gestern gegessen habe oder geht das schon Richtung Dissoziation?"
"War das ein Wechsel oder warum kenne ich den Weg zur Arbeit nicht mehr?"
usw.

Irgendwann kommt man wohl darauf, dass das gar nicht so einfach zu bewerten ist. Eigentlich kann auch eher ein Außenstehender bewerten als man selbst.
Es ist tatsächlich nicht so einfach rauszufinden, was in der "allgemeinen psychisch gesunden Welt" als normal angesehen wird und was nicht.
Man geht auf die Suche, was Normalität überhaupt kennzeichnet, was wirklich bestens für den Alltag ist, und versucht seinen Weg zu finden.

"Üblicherweise" (in Anführungsstrichen, weil man das ganze Thema sehr individualisieren müsste) klagen Menschen über eine normale Vergesslichkeit (und leiden sehr oft auch darunter), wenn sie sich schwer mit dem Erinnern von "Objekten"  wie Telefonnummern, Worten oder andere "Lerngebiete" tun. Es besteht quasi ein "Abruf"-Problem mit dem semantischen Gedächtnis (bedeutet Langzeitgedächtnis für das Wissen über Fakten, normalerweise nicht emotional verknüpft).

Auch das semantische Wissen gehört zum Langzeitgedächtnis und stellt somit ebenfalls Möglichkeiten zur Erinnerung an die Vergangenheit bereit. Anders als das autobiographische Gedächtnis speichert es jedoch nicht die persönlichen Erfahrungen, sondern das Wissen über Fakten. Ein Beispiel wäre hier der Tod von Lady Diana, oder die Tatsache, dass Paris die Hauptstadt von Frankreich ist. Hierbei handelt es sich folglich nicht um eine persönliche Lebenserfahrung, sondern um Tatsachen.

Die semantischen Erinnerungen sind in der Regel nicht emotional gefärbt und frei von eventuellen Rahmenbedingungen, d.h. wir erinnern die Gegebenheit nicht in Verbindung mit einem Ort oder einem bestimmten Zeitpunkt.

Im Gegensatz dazu steht die dissoziative Amnesie. Es ist meistens ein Problem mit dem auto-biografischen Gedächtnis (was wann passiert ist in einem Zeitraum des Lebens) vorhanden und oftmals steht in der "Mitte" ein Trauma oder eine "traumatische Situation" und die Zeit X vor und nach dem Trauma wird vergessen. Da bei vielen Betroffenen der DIS (+/-) viele Jahre oder sogar Jahrzehnte immer wieder eine Trauma-Situation entstehen kann ist es auch möglich dass komplette Lebensabschnitte, die komplette Kindheit etc. nicht mehr erinnerbar ist (zumindest nicht freiwillig oder ohne Hilfe). Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Rückschlüsse auf das jeweils andere gezogen werden können.

Abschließend lässt sich sagen, dass viele Menschen viel vergessen. Nicht immer bedeutet der Fokus aufs Erinnern, dass das auch so stimmt wie man es gerade erlebt. Erst mal gilt immer: Ruhe bewahren. Vielen hilft auch der direkte geheime Vergleich zwischen dem Selbst und Anderen. Kann so aussehen, dass man wenn man zum Beispiel Schwierigkeiten mit dem Erinnern von Kinderfotos hat, dies überprüft wie es so bei anderen ist. Man kann sich Kinderfotos zeigen lassen und ganz normal fragen was man da so sieht (wie erinnert sich mein Gegenüber?), wer auf dem Foto ist (Wie gut erinnert er sich?)

[unter Bearbeitung]
Normale Dissoziation oder psychopathologische Dissoziation?


Normale Rollen im Alltag oder bereits Multiplizität / Ego State Disorder?