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Unterschiede der Schizophrenie & der dissoziativen Identitätsstörung / DSNNS, Differenzialdiagnosen

Zuerst sollte man die Begrifflichkeiten genauer erklären um einen guten Vergleich zwischen beiden Diagnosen zu selektieren:

Schizophrenie:
Der Name Schizophrenie  stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt etwas wie „Abspaltung der Seele“.
Zu finden ist sie im ICD- 10 unter F20.0 – F20.6, im DSM-IV unter 295.10(inklusive der Untertypen 20/30/60/90).
Diese Diagnose, welche zu den endogenen Psychosen (psychosoziale, genetische & somatische Faktoren, psychische Veranlagung) zählt, beschreibt allgemein gesehen eine Veränderung/Störung des Denkens, Handelns und der Wahrnehmung.

Oftmals haben Betroffene zwei Welten nebeneinander: Die reale Welt, wie sie tatsächlich existiert und eine Parallelwelt, welche geprägt ist von der inneren

„danebenstehenden Wahrheit“.

Es werden viele verschiedene  Formen der Schizophrenie unterschieden, auf welche ich nicht komplett eingehen möchte. Ein Beispiel wäre, wenn sich von den Symptomen besonders Wahnvorstellungen (Interpretation der sozialen Umgebung als Spionageaktion), Halluzinationen (Verstorbene sehen) und ähnliches zeigt, dann würde man von einer paranoid-halluzinatorischen Schizophrenie sprechen.

Die Ursachen der Schizophrenie sind nicht genau belegbar (ca. 0,5 – 1 % der deutschen Bevölkerung leidet darunter), jedoch begünstigen multifaktorielle Entstehungsmodelle / Vulnerabilitäts-Stress-Coping-Modellwie biologische Störungen, familiäre Vorbelastungen oder auch die Persönlichkeit.

Diese endogene Psychose tritt in Schüben auf und die Betroffenen verfallen in Psychosen (Realitätsverlust). 
Die Symptome werden in der Medizin folgendermaßen beschrieben:

Ich-Störungen (Depersonalisation, Derealisation, Fremdbeeinflussung, Gedankeneingebung etc.)
Halluzinationen (Sinnestäuschungen, Empfindung von Realität ohne realen Sinnesreiz etc.)
Wahn (falsche Beurteilung der Realität wie Verfolgungswahn, „Fernsehsprecher reden zu ihm“)
Formale Denkstörungen (Kontamination, absurde Neologismen )

Die Behandlung erfolgt in einem multidimensionalen Therapieansatz, von Psychopharmaka (Neuroleptika wie Haloperidol), Psychotherapie, Soziotherapie, welche eine sehr gute Wirkung erzielen kann.  Ca. 40 % der Betroffenen werden durch diese Art der Behandlung vollständig gesund, weitere müssen bedingt durch chronische Wahnvorstellungen (und andere Symptome) lebenslang Medikamente nehmen, welche aber ebenfalls eine sehr gute Behandlung versprechen.

Hier hervorzuheben sind im Gegenzug zur dissoziativen Identitätsstörung / DSNNS / ESD die Halluzinationen, welche von den Betroffenen als Stimmen hören beschrieben wird.
Beispielsweise werden Stimmen von weitentfernten Verwandten / Bekannten oder auch Verstorbenen wahrgenommen (außerhalb des Kopfes, wie ein Telefonat oder als würde jener neben einem stehen).

(Dissoziative) Identitätsstörung, dissoziative Störung nicht näher spezifiziert (Kurzform)

In beiden Diagnosen ist das Wort Dissoziation enthalten und bedeutet soviel wie eine Unterbrechung von der integrativen Funktion des Bewusstseins, der Identität, Wahrnehmung oder auch des Gedächtnisses.

Die dissoziative Identitätsstörung ist zu finden im DSM-IV unter 300.14 und im ICD-10 F44.81, die DSNNS im ICD-10 F44.9.
Beide Diagnosen beschreiben eine Art von Identitätsstörung, mit oder ohne amnestische Symptome und geht mit dem Erleben von weiteren Persönlichkeiten (oder Anteilen) einher.
Die DIS gilt somit als schwerste Form der Dissoziation und beide sind ein Überlebensmechanismus um unerträgliche, traumatische Situationen von Lebensbeginn an zu überleben / kompensieren.

Genaueres hierzu findet man untern den Berichten DSNNS & DIS.

Beide Diagnosen oder Überlebensstrukturen werden oftmals sehr schwer erkannt, da dissoziative Störungen eine hohe Komorbidität (gleichzeitig vorwiegende weitere Erkrankung) zu anderen psychischen Erkrankungen aufweist. Problematisch ist es insbesondere deswegen, weil die unterschiedlichen Persönlichkeiten & Anteile separat weitere Erkrankungen haben können, somit mein ein multipler Mensch durchaus auch unter Schizophrenie, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen leiden, jedoch parallel dazu eine dissoziative Störung haben.

Die Ursachen von dissoziativen Störungen sind so vielseitig wie der Mensch selber, jedoch finden sich bei bis zu 94% aller DIS-Betroffenen schwerste Traumatisierungen in der Kindheit (Vernachlässigung, Missbrauch, Gewalterleben) und weiterhin findet man Ursprünge des "Aufspaltens" bei extremen Erlebnissen durch Katastrophen, Mord, Krieg oder ähnliches.
Wichtig ist, dass das subjektive Erleben einer hoch-traumatischen Situation eine solche Spaltung hervorruft und dies nicht an einer Sache direkt festgemacht werden kann (Bsp. :eine Person erlebt etwas als traumatisch, ein anderer Mensch in der gleichen Situation nimmt das kaum wahr).


Direkte Unterschiede zwischen der Schizophrenie & DIS/DSNNS

Aus der Sicht schizophrener Patienten
- Schizophrene glauben nicht eine andere Person zu sein oder aus mehreren direkt zu bestehen
- Die Erkrankung verändert die Wahrnehmung, das Verhalten, die Gedanken, die Sensorik, aber der schziophrene Patient weiß aber zu jedem Zeitpunkt, dass man es immer selbst ist und nicht ein anderer Mensch
schizophrene Betroffene erleben im schizophrene Zustand Dinge von außen die sie hören wie Tiere, Menschen, Dinge und diese sehen oder bemerken sie auch so, das Umfeld sieht diese Erlebnisse allerdings nicht
 

Aus der Sicht multipler Menschen:
- Medikamente die schizophrene Betroffene erhalten sind meistens völlig wirkunslos gegen die Symptome, mit denen Multiple sich konfrontiert sehen
- obstruse Verschwörungstheorien von Schizophrenen können für Multiple Wahrheit sein (Thema organisierte Gewalt)
- Die Stimmen die Multiple hören, sind immer deutlich im Inneren "zu hören" und kommen nicht von Außen, dies ist allen multiplen Menschen bekannt (Ausnahmen bestätigen die Regel, ich persönlich habe noch keinen Betroffenen kennengelernt, der das nicht unterscheiden konnte)


Oftmals werden auch Menschen mit einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung des Borderline-Typus als multipel wahrgenommen oder empfinden sich als viele, da die differenzialdiagnostische Abgrenzung zu anderen Störungen wie Borderline sehr schwierig ist.
Bei der BPS werden häufig extreme Stimmungsschwankungen, ohne von außen erkennbaren Trigger, auf den ersten Blick wie ein völlig gegensätzlicher Persönlichkeitsanteil wahrgenommen. Durch die schwerwiegenden Identitätsstörungen bei Borderline-Patienten ist es somit schwer abzugrenzen für den Laien und ebenfalls oberflächlich für Diagnostiker.

 

Linehme