Frage von "Kiki": Können Persönlichkeiten sterben? (Antworten: 7)

Hallo meine Therapeutin hat gesagt dass keiner sterben kann ich spüre aber ganz dolle das da eine gestorben ist, ist das möglich?

Antworten von Betroffenen der dissoziativen Identitätsstruktur:

Hallo kiki,
schweres Thema, zumal wir weder dich noch deinen Hintergrund kennen.
Ich erzähle mal von mir:
ich weiß nicht ob das möglich ist, dass jmd in einem system wirklich in echt stirbt.
Ich hatte dieses Gefühl auch mal vor Jahren, bzw. hatte ich eine sterbende im system, die meiner Wahrnehmung nach irgendwann wirklich gegangen ist. Hier noch etwas zum Thema das triggern kann:
Versteckter Text:
wir hatten auch eine Menge in traumasituationen gestorbener Kinder, eine Art inneres Massengrab, und wir haben mit einer thera die Kinder in der Vorstellung an einen guten Engel im Himmel gegeben. solange die Kinder einfach unversorgt in dem Grab waren, war es furchtbar, nach der Intervention mit dem Engel war es nachhaltig gut.
Es hat sich OK angefühlt, also nicht schlimm oder so.
Es kann auch sein, dass sie sich aus dem bewußtsein zurückgezogen hat. Also zwar nicht mehr da ist, aber eben auch nicht richtig tot. Sondern dass eine Art Versorgung und Abschluss stattfand und dann konnte sie sich auflösen oder so.
Es kann sogar sein, dass sie iwann mal wieder auftaucht (bisher nicht passiert).
Also denke ich: wirklich richtig sterben geht für jmd aus einem.multiplen system nicht, dann müsste der Körper ja mit sterben.
Aber ein Rückzug, der sich für die restlichen wie ein Tod anfühlt, das gibt es aus meiner sicht, ja. Oder eben sowas wie im versteckten Text.
Ich finde es wichtig, dass du/ihr schaut, wie sich das bei euch anfühlt.
Also ist es eher ein gutes Gefühl , oder macht es viel Unruhe/Angst/Bedrohung/Chaos bei euch? Wenn das sich nicht gut anfühlt, wäre es vllt gut da mit der thera zu schauen wie ihr die Sicherheit und versorgung der betreffenden wieder herstellen könnt. Und Versorgung kann auch eine Beerdigung/ein über leiten in den Himmel/ ein trauerritual sein.
So, ich hoffe das war hilfreich.

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Liebe Kiki,

ich denke, es ist wichtig dein Gefühl ernst zu nehmen und nachzuspüren, was "sterben" für dich bedeutet? Denkst du, dass es dem Teil jetzt gut geht oder schlecht? Fühlt es sich erlösend an oder furchtbar?
Bei uns ist es so, dass immer wieder mal Personen dazugekommen und wieder gegangen sind, besonders dann, wenn sie nur vorübergehend bestimmte Aufgaben übernommen haben... Das hat sich aber nicht angefühlt wie sterben... eher als würde ein Freund einfach wieder gehen bzw. "verschwinden"...
Versteckter Text:
Bei uns hat das Sterbegefühl häufig etwas mit "ich-will-es-nicht-mehr-aushalten" zu tun. Wir hatten ein Kind, das unserer Meinung nach wirklich tot war. Ich glaub, wir haben es beerdigt und eine Art Abschiedsfeier gemacht, ich bilde mir ein, dass es uns sehr erleichtert hat und es dann gut war... aber der Gedanke daran ist so triggernd, dass ich leider nicht mehr klar hab´wie das dann genau war...
Das Thema ist leider sehr triggernd für uns, daher ist es schwierig unsere Gedanken diesbezüglich klar zusammenzutragen. Zusammengefasst haben wir häufiger die Erfahrung gemacht, dass es sich um Anteile handeln könnte, die zwar scheinbar tot wirken, aber eigentlich nur in eine Art komatösen Zustand gefallen und wie eingefroren sind...häufig, weil sie einfach keine Kraft mehr haben weiter zu machen oder keinen Sinn darin sehen.

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Meine Erfahrung ist, dass Anteile z.B.
- zur Ruhe kommen und nicht mehr in Erscheinung treten
- mit anderen Anteilen zusammengehen und nicht mehr präsent sind, da sich ihre Qualitäten mit einem anderen Anteil verbunden haben

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ich glaub schon, dass das geht. Das ist aber mehr ein Gefühl und weniger konkretes Erleben. Irgendwie fände ich es auch logisch, denn wenn sich Anteile bilden können, entstehen können - ist auch der umgekehrte Weg möglich, denk ich mir...

Eigentlich ist es doch letztlich eh alles eine "Kreative Überlebensleistung" des Gehirns, entsprechend sind dem vermutlich keine Grenzen gesetzt und gelten die jeweils eigenen "Gesetze". Wenn ein bestimmtes Gehirn diese Art der Ausgestaltung "sinnvoll" / "dienlich" findet, ist es möglich und wenn nicht, dann nicht - so vielleicht ?

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Also bei mir ist noch nie jemand gestorben, aber es waren mal Anteile länger verschwunden, das hat sich ein bisschen wie gestorben angefühlt...ich glaube im Sinne von richtig sterben geht das nicht.

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Hallo Kiki,

bei uns sind schon welche für immer gegangen, oder von anderen Innenpesonen für immer genommen worden. Es macht Angst hier, was von uns am Ende noch übrig bleiben wird. Ist so ungefähr noch die Hälfte von uns über, wir beten oft, dass es nicht wahr ist.

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Hallo Kiki,

ich glaube eine Aussage, die für alle gleich gültig ist, gibt es bei diesem hoch sensiblen Thema nicht.
Jedes System nimmt sich und sein Innenleben anders wahr / hat eine andere Struktur.
Meine Erfahrung ist, dass das Fehlen einer "Innenperson" eine große Lücke hinterlassen kann und manchmal viele Jahre anhält.
Manchmal kommen die fehlenden Anteile irgendwann wieder, werden zumindest wahrgenommen, dass sie noch irgendwo im Inneren existieren, manchmal fühlt es sich so an, als wären sie nicht mehr im System (= von uns gegangen).

Meine subjektive Überzeugung ist, dass kein Anteil tatsächlich komplett aus dem System "gefallen" ist und nie mehr "zurückkommt", sondern, dass es manchmal für das Gesamtsystem ein weiterer Mechanismus ist um in der Gegenwart zu "überleben". Ich glaube auch fest daran, dass jegliche Bewegung im System eine (überlebensnotwendige) Bedeutung hat.

Liebe Grüße,
Linehme

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Weitere Antworten folgen!


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