Frage von "Kaila": Woher weiß ich wer "ich" bin, wenn ich mich als "viele" erlebe? (Antworten: 5)

Hallo :)

Wie weiß ich eigentlich, wer "ich" denn bin? Bei uns ist es eher eine pDIS als eine DIS. Also ich habe im Regelfall keine Alltagsamnesien, sondern nur kürzere Amnesien, wenn es grad emotional sehr belastend ist (längere Amnesien wirklich nur durch Alkohol), ansonsten bin ich immer irgendwie hinten "mit dabei". So Personen, die extrem sind, kann ich schon gut erkennen, das fühlt sich auch ganz anders an und da weiß ich, dass ich selbst nie so gehandelt hätte, genau wie bei den Kindern.
Manche von uns kenne ich inzwischen ganz gut, weiß wie die drauf sind und wann die da sind. Aber ich habe das Gefühl, dass ich den Alltag nicht alleine übernehme, sondern es eben auch mehrere Alltagspersonen gibt, die sich irgendwie miteinander ziemlich vermischen.

Insgesamt ist das gefühlt meist so ein wirres Mischmasch und wechselt innerhalb von Minuten oder sogar Sekunden.
Oft weiß ich gar nicht, wer "ich" eigentlich bin, welche Eigenschaften, Handlungsweisen etc. ich mir zuschreiben darf und welche zu jemand anderem gehören. Vielleicht ist das auch unwichtig, aber irgendwie macht es das ja auch schwer, überhaupt festzustellen, wen es da vielleicht noch so gibt.

Noch dazu frage ich mich oft, ob es "mich" wirklich gibt oder ob ich selbst nicht irgendwie wie so eine leere Hülle bin, durch die alle hindurchhandeln und -denken. Hat jemand von euch Tipps, wie man das besser unterscheiden kann?

 

 

Antworten von Betroffenen der dissoziativen Identitätsstruktur:

 

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 das würde ich+ echt auch gern wissen ...
ich+ habe echt keine Ahnung wer ich+ bin
bzw. ob das überhaupt herausfindbbar ist, geschweige denn wie ???

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Oh wie ich diese Gedanken kenne - ich+ habe für mich auch keine Ahnung wer "ich" bin.
Mittlerweile (nach langer Therapie) ist es für mich+ aber nicht mehr ganz so wichtig da eine Erklärung zu finden.
Was daran liegt das ich denke für mich+ gibt es da keine passende erklärung.
Deine Beschreibung der wechsel kommt mir auch sehr bekannt vor
- und bin gerade sehr davon überrascht das es auch anderen so geht. (hatte bisher immer das gefühl geht nur mir so)

Ich habe vor vielen Jahren auf einer Postkarte mal einen Spruch gelesen/gekauft - der für mich einfach Super Passt.
(ich weis leider nicht von wem er ist - hoffe es ist Trotzdem OK diesen hier zu Schreiben.

"Ich bin nicht da!
bin mich suchen gegangen,
wenn ich wieder da bin,
bevor ich zurückkomme, sagt mir:
ich soll auf mich warten."

~~~

Hallo Kaila,

das ist ja schon fast eine philosophische Frage.
Wie genau man das rausfindet, kann ich dir leider nicht sagen. Nur mitteilen, dass ich für meinen Teil auch nicht weiß, wer ich bin. Ich weiß nur, dass ich nicht die anderen bin. Ich kenne das Gefühl gut zu denken, dass man vl nur eine Hülle ist. Ich hatte auch schon die Idee, dass ich eventuell nur ein Notfallprogramm bin, das jetzt hier ist, weil es gerade etwas turbulent ist bei uns.
Ehrlicherweise denke ich, dass in solchen Fällen nur vollkommene Gelassenheit und Akzeptanz hilft, hinnehmen, dass es einfach so ist wie es ist. Du schreibst, dass du den Zustand ja nur manchmal hast, das heißt, es gibt auch Phasen, in denen du klarer bist. Ich würde einfach warten bis diese Verwirrung wieder vorbeigeht und möglichst entspannt bleiben.
Es macht keinen Sinn etwas herauszufinden und sich den Kopf zu zerbrechen, wenn man sich doch nur im Kreis dreht. Erfahrungsgemäß wird es dadurch nur schlimmer und eventuell steigt dann Panik hoch. Der Zustand kann doch sehr viele Ängste auslösen, besonders, wenn man beginnt genauer darüber nachzudenken.... Ich konzentriere mich in solchen Fällen ausschließlich aufs Außen und versuche einfach so zu handeln und mich so zu verhalten, wie ich denke, dass es für uns als Gesamtperson gerade in der Situation erforderlich ist. Wenn du wieder "klarer" bist, kannst du ja herausfinden, wen es da noch so gibt und dich mehr aufs Innen konzentrieren. Am besten schreibst du auf, was du herausfindest, dann kannst du auch nachlesen, wenn du dich wieder verloren hast. Hoffe, das war jetzt nicht zu verwirrend,
liebe Grüße

~~~

Wirklich eine gute Frage, die habe ich auch.

ich habe sie versucht philosophisch zu recherchieren und zu lösen, sie neurologisch zu betrachten, habe versucht sie mir anhand der DIS zu erklären (also wer bin ich wenn ich nicht "DIE" bin?) und kam zu keinem Ergebnis.
Ich glaube das ist eines der größten Probleme bei der dissoziativen IDENTITÄTSstörung... auch bei der partiellen, das Ich-Gefühl konnte sich damals ja nicht bilden durch die vielen traumatischen Erlebnisse.

Ich denke auch, dass es wenig Sinn macht sich sehr mit dem Thema zu beschäftigen, weil sich das einerseits ändern kann, andererseits nicht zu beantworten ist und auch echt frustrieren kann, eben weil es keine ordentliche Antwort gibt.

Vielleicht ist das Ausschlußverfahren noch das beste, was bin ich NICHT oder wer bin ich NICHT.
Aufschreiben ist auch eine tolle Idee, das würde ich auch sagen, so kann man sich das ansehen und immer wieder erweitern oder verändern.
Ideal natürlich in der ambulanten Therapie?

~~~

Ausschlußverfahren find ich auch gut... wenn ich überhaupt nicht weiß, wer ich denn bin, dann weiß ich trotzdem, ich bin nicht eine der anderen. Diese Ich-Verwirrung erlebe ich auch als belastend, aber hmm ich glaube es ist kein Dauerzustand. Es gibt schon häufige Momente, wo ich weiß: Ich bin ich, mit diesen und jenen Handlungsoptionen/Aufgaben und dann gibts noch die anderen. Aber ich muss auch sagen, je mehr ich darüber nachdenke, desto verwirrender wird es. Denn es gibt ja auch die Momente, im Alltag, in der Therapie, wo mehre im vorderen Bewusstseinseckchen sind und die Grenzen da sind und doch verwaschen. Da ist es wenn überhaupt nur schwer zu unterscheiden, wer denn was fühlt oder tut und dann kippt es auch schnell in die Frage, wer oder was ist denn Ich...
Ich fürchte auch, dass das einfach mit zum Paket gehört sozusagen... Ich glaube auch, dass es nicht immer wichtig ist zu wissen, fand ich für mich ganz wichtig, mir das klar zu machen und damit auch Druck rauszunehmen. Allein durch weniger Druck und Grübeln wird es immer mal wieder leichter, sich (also uns) zu entwirren.

~~~

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