(Partielle) Dissoziative Identitätsstörung & Tinnitus / Ohrgeräusche

Das Thema Ohrgeräusche und Tinnitus ist an sich bereits ein großes Thema unter Menschen mit dissoziativen Strukturen, multiplen Systemen.
Auffällig ist, dass viele Betroffene mit diagnostizierter DIS immer wieder von sehr störenden Ohrgeräuschen schreiben und sich mühsam damit durch den Alltag kämpfen.
Grundlegend kennen fast alle Menschen (auch ohne Diagnose) sogenannte Ohrgeräusche.


Damit wird eine teils subjektive Wahrnehmung von Geräuschen ohne äußerliche Ursache wie Radio, Kühlschrankfiepen oder ähnliches benannt. Die Geräusche können an ein Fiepen, Klingeln, Klimpern, Rauschen erinnern und lassen sich nicht einfach so "ausschalten".

Manche kennen dieses "Phänomen" kurz bevor der Kreislauf zusammenbricht, ein sehr hoher Ton, der sich bemerkbar macht, bevor der Kreislauf einen zum Hinsetzen oder Liegen "zwingt". Oder in sehr stressigen Situationen, wenn mitten in einer langen und ansträngenden Besprechung ein dumpfer Ton im Ohr ertönt.
So oder so sind dies meist Warnsignale vom Körper, dass etwas im Moment "falsch" läuft und den geregelten Ablauf stört.

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, woher diese Ohrgeräusche kommen. Eine Mittelohr-Erkrankung oder eine Verschleißerscheinung der Halswirbelsäule, Gehörgangsverschluss durch Fremdkörper oder auch Gefäßverengungen, vieles kann dies auslösen. Es ist ein Symptom einer darunterliegenden Wurzelerkrankung. Ob nun psychisch oder physisch bedingt, es beeinträchtigt den Alltag immens, wenn die Geräusche sich manifestieren und verselbstständigen.
Oftmals wendet man sich erst sehr spät einem fachkundigen Arzt zu, um von dem Leiden zu erzählen, was sich negative auf die "Heilung" auswirken kann.

In Bezug auf multiple Menschen berichten Betroffene von folgenden Erlebnissen:

- In einem dissoziativem Zustand kann im inneren ausschließlich der Tinnitus wahrgenommen werden
- Der Tinnitus kann bei "innerer Annäherung" als Stimmen wahrgenommen werden, eventuell kann dies als Kommunikation innerer Anteile verstanden werden
- Stress der nicht vom aktiven Anteil oder vom "Alltagsteam" wahrgenommen wird (aus unterschiedlichsten Gründen des bestehenden Systems) kann sich als Tinnitus äußern
- Tinnitus / Ohrgeräusche können abhängig von bestimmten Anteilen sein, manche haben ihn immer, sobald sie sich dem aktiven Bewusstsein "nähern" und manchmal nehmen andere Anteile ihn erst dann wahr, wenn sich "jemand bemerkbar" macht
- Es gibt Möglichkeiten den Tinnitus "wegzudissoziieren"
- Der Verdacht auf einen Hörsturz wurde oftmals ausgeschlossen
- Den zu bestimmenden Ton, der das Geräusch hat, ist manchmal nicht abbildbar (beim Ohrenarzt gibt es Gerätschaften um diesen zu bestimmen)
- Ein bestimmter emotionaler Zustand kann das Erleben des Tinnitus verstärken oder überhaupt "hörbar" machen
- je selektiver man die Ohrgeräusche verfolgt, desto störender werden Sie

Traumafolgestörung Tinnitus?

Auf Grund von meinen Erfahrungen von Betroffenen von Traumafolgestörung, sehe ich einen Zusammenhang zwischen Traumata und Tinnitus.
Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf erlebte traumatische Situationen. Betroffene einer pDIS/DIS haben erfahrungsgemäß häufiger mit akustischen "Phänomenen" zu tun und können durch die hohe Dissoziation-Fähigkeit ggf. die Ohrgeräusche, die ggf. eine Zeitlang ertragbar waren, abspalten.

In bestimmten Situationen oder auch bei Flashbacks können diese dann so unerträglich werden, dass sie überhaupt als "Problem" wahrgenommen werden.

Der Fokus darauf verstärkt somit das Geräusch und manchmal werden die "Wurzel"-Probleme, die ggf. für den Tinnitus verantwortlich sind (Traumafolgestörungen wie Depression, Flashbacks usw.) nicht mehr erkannt oder ggf. auch gar nicht behandelt. Manche Experten vermuten auch, dass psychische Störungen allgemein in der Vorgeschichte sehr viel häufiger zu finden sind, als ein vermeintlich plötzliches Auftreten des Tinnitus.



Was kann helfen bei (p)DIS & Tinnitus?

- körperliche Ursachen abklären (Allgemeinarzt, HNO-Arzt, ggf. Unfälle in Zusammenhang bringen)
- Geräuschliche Ablenkung (Stille vermeiden, verschiedene Musik-Genres testen wie Regen-Geräusche, Wald-Klänge, beruhigende klassische Musik, whispering solo Piano, keine emotional belastende Musik etc.)
- Das Thema in der ambulanten Gesprächstherapie unbedingt miteinbeziehen
- Selbsthilfegruppen mit Betroffenen besuchen (Nachahmung von erfolgreichen Bewältigungs-Strategien testen)
- Entspannungstrainig (Achtung beim Thema Achtsamkeit und Co. bei vielen (p)DIS Betroffenen, kann dies unerwünschte Nebeneffekte haben, sich nichts aufzwingen lassen)
- Annäherung an den Tinnitus selbst, ggf. prüfen ob dies an Anteile gekoppelt ist
- Durch ein Aufmerksamkeits-Tagebuch herausfinden, wann zu welchen Zeiten der Tinnitus sich verändert
- Hörgeräte mit Tinnitusmaskierung
- Stressreduktion, Stressreduktion, Stressreduktion!

Weitere Unterstützungsangebite finden sich auch auf der Website der gemeinnützigen Selbsthilfeorganisation gegen Tinnitus, Hörsturz und Morbus Menière: https://www.tinnitus-liga.de

Linehme